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Wirtschaftsinformatik Erfahrungsbericht



In hatte meiner gesamten gymnasialen Schullaufbahn – also von der 7. bis zur 13. Klasse – in Mathe immer eine 4 oder 5. Im Prinzip lag mir kein naturwissenschaftliches Fach. Physik, Chemie…alles immer nur mit „Ach und Krach“ bestanden. Mein Abitur habe ich mit den Leistungskursen Deutsch und Englisch absolviert – schon immer lagen meine Stärken in den sprachlichen Fächern. Kommt man mit diesen Voraussetzungen durch ein Wirtschaftsinformatik Studium?

Vor der Studienwahl - Germanistik, Publizistik, BWL oder gar Wirtschaftsinformatik?

Nach Absolvierung einer kaufmännischen Ausbildung im Marketing – Bereich stand ich also vor der Studienwahl. Ganz klar, ich bin eher der „sprachlich-kreative, kommunikative Typ“. Aber alles, was studiengangs-technisch in den Bereich „Kommunikation / Public Relations / Marketing“ fällt, ist vollkommen überlaufen. Da helfen auch die angesammelten Wartesemester nichts. Also irgendwas anderes studieren. BWL? Das Argument „das Studieren doch alle“ hat mich glücklicherweise davon abgehalten. Nach zahlreichen Recherchen und Gesprächen wurde mir klar, dass man über ein gewisses Maß an technischem Wissen verfügen sollte, um es zu irgendwas zu bringen. Aber ein reinen technischen Studiengang würde auf Aufgrund mangelndem physikalisch / mathematischen Interesse nicht überstehen. Ein interdisziplinärer Studiengang wie Wirtschaftsinformatik kam da natürlich wie gerufen…

Kann man auch als Mathe-Versager durch ein solches Studium kommen?

Wer über einen gewissen Fleiß und Ehrgeiz verfügt, kann das schaffen. Man muss bedenken, dass der mathematische Anteil bei Wirtschaftsinformatik Studiengängen sich in der Regel auf Anwendungsaufgaben bezieht. Das heißt, es werden keine Herleitungen oder sonstige mathematische Späße behandelt. Die Inhalte, die in den Mathe Modulen vermittelt werden, sind natürlich extrem vielseitig, aber es handelt sich um keine höhere Mathematik. Als ich mit dem Studium angefangen habe, hatte ich 4 Jahre lang kein Mathe mehr gehabt. Ich wusste nicht mehr, was eine Wurzel ist, hatte keine Ahnung von Potenzen. Mir hat es komplett an den Grundlagen gemangelt.

Auffrischungskurse in Mathe – Pflicht für alle, die Probleme mit Mathe haben

Vielen Unis / FHs bieten vor jedem Semesterbeginn so genannte „Auffrischungskurse“ an. Pflicht sind diese Kurse vor allem für alle jene, deren Schulabschluss schon ein paar Jahre zurückliegt. Zwar müssen für die Teilnahme ein paar Euros investieren werden, aber es lohnt sich, denn die meisten Dozenten wiederholen in ihren Vorlesungen nicht extra noch mal die absoluten mathematischen Grundlagen.

Nerd-Alarm? Wie fitt muss man am Computer für Wirtschaftsinformatik sein?

Man soll sich nichts vormachen: 50 % der Leute, die Wirtschaftsinformatik studieren, kann man gut und gerne – ohne negativen Unterton – als „Nerd“ bezeichnen. Man muss kein absoluter Computercrack sein, aber ein Großteil des Studiums besteht nun mal aus Informatik-Modulen. Wer in seinem Leben noch nie ein Quellcode gesehen hat und sich schwer im Umgang mit dem Computer tut, wird es im Studium sicherlich nicht leicht haben. Grundsätzlich ist alles zu schaffen, klar, aber wie in allen Studiengängen wird natürlich schon ein bestimmtes Maß an (Fach-)Wissen vorausgesetzt. Wenn man dieses nicht besitzt, hat man ordentlich zu „büffeln“ um das fehlende Wissen nachzuholen. Da sollte man sich dann ernsthaft die Frage stellen, ob es nicht mehr Sinn macht, etwas anderes zu studieren.

„Keine Zeit zu verschenken“ – Die ersten Vorlesungen an der Uni

Mein erster Tag an der Fachhochschule begann gleich mit einer der gefürchteten Mathe-Vorlesungen. Fazit: Die Dozenten haben keine Zeit zu verschenken. Man kann zwar Fragen stellen, aber grundsätzlich wird der Stoff in einem hohen Tempo durchgepeitscht. In einigen Vorlesungen – zum Beispiel in Rechnungswesen – fiel es mir teilweise wirklich schwer, die Augen offen zu halten. Aber was soll’s. Man muss da durch, schließlich wird an meiner Fachhochschule fast jedes Modul mit einer Klausur abgeschlossen. Das Wissen muss also irgendwie in den Kopf – zumindest temporär…

Fazit nach einem Monat: Du bist auf dich allein gestellt

In der Schule / Berufsschule wurde deine Anwesenheit kontrolliert, Lehrer kannten deine Namen, du musstest pünktlich sein, und warst dazu aufgefordert „aktiv am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen“. In der Uni interessiert sich keiner für dich. Ob du da bist oder nicht, Egal. Keine Hausaufgaben gemacht? Egal. Mündliche Mitarbeit? Gar keine Zeit für solche Spielchen.

Dass mag für viele ein Traum sein. Wenn man ein gewisses Maß an Selbstdisziplin hat, ist diese Freiheit auch wunderbar. Vielen wird diese Freiheit allerdings auch zum Verhängnis: Was mit gelegentlichem Schwänzen anfängt, endet in tagelanger/wochenlanger Abwesenheit, bis man letztendlich feststellen muss, dass man den Anschluss nicht mehr schafft - und die Studenten- Kariere ist beendet.

Achtung, Achtung: Nicht alle Unis sind gleich.

Abschließende Bemerkung: Die hier geschilderten Erfahrungen beziehen sich auf eine Fachhochschule und sind sicherlich nicht auf alle Fachhochschulen übertragbar. Informier dich daher vor Studienbeginn am besten bei eingeschriebenen Studenten, wie es auf ihrer Uni / Fachhochschule so abgeht. Die Entscheidung, an welcher Uni und welchen Studiengang man studieren möchte, sollte keinesfalls mal schnell zwischen „Tür und Angel“ getroffen werden…




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